Ist Bambus ein nachhaltiges Material?

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Seitdem wir als Gesellschaft unsere Entscheidungen bewusster treffen und wissen, wie sie sich auf die Umwelt auswirken, ist Bambus in zahlreichen Produkten zu finden. Bambus wird für Geschirr, Deko, Möbel, Lebensmittel und sogar als Faser für Stoffe, Medizin und als Brennstoff in Form von Holzkohle verwendet. Aber wie nachhaltig ist Bambus als Material eigentlich?

Anders als die meisten Menschen denken, ist Bambus keine Holzart, sondern ein Gras. Der Rohstoff passt sich sehr leicht an seine Umgebung an, was bedeutet, dass im Idealfall weder Wälder noch andere natürliche Umgebungen zerstört werden müssen, um ihn anzubauen. Er ist auch viel nachhaltiger als Holz, nicht nur wegen seiner Anpassungsfähigkeit, sondern auch wegen seines schnellen Wachstums. Ein Baum kann zwischen 30 und 50 Jahren brauchen, um groß genug zu werden, um als Bauholz verwendet werden zu können. Bambus hingegen braucht nur etwa fünf Jahre. Bambus könnte sehr leicht die Zerstörung natürlicher Wälder stoppen. Abgesehen davon, dass Bambus schneller wächst und sich leicht an die meisten Gebiete anpassen kann, setzt er auch etwa 35 % mehr Sauerstoff pro Quadratmeter frei als Bäume. Die Bambusproduktion erweist sich auch in einigen afrikanischen Ländern als sehr vorteilhaft und nachhaltig, weil sie nicht nur die lokale Wirtschaft ankurbelt, sondern auch bedeutet, dass sie nicht mehr vom europäischen Holz abhängig sind. Das ist ein Gewinn für die Menschen und für die CO2-Emissionen. Aber es gibt auch einige Probleme. Obwohl Bambus fast überall auf der Welt wachsen kann, sind die größten Produzenten China und Indien. Da Bambus in Europa nicht in großen Mengen angebaut wird, ist der Kontinent sehr abhängig von den chinesischen Exporten. Dies ist höchstwahrscheinlich auf die billigeren Arbeits- und Produktionskosten zurückzuführen, die, wie wir wissen, nicht nur schlecht für die Umwelt sind (günstigere Produktion plus Transport), sondern auch für die Löhne und Bedingungen der Arbeiter:innen. Der meiste Bambus wird ohne jegliche Zertifizierungen oder Vorschriften nach Europa transportiert. Die Bambusproduktion ist aufgrund des schnellen Wachstums und der Anpassungsfähigkeit viel lukrativer als die Holzproduktion. Was in der Theorie eine gute Sache sein könnte, ist es in der Praxis aber nicht so nachhaltig. Aufgrund der wirtschaftlichen Vorteile des Anbaus von Bambus gegenüber Baumholz und der fehlenden Vorschriften, werden in ganz China Landflächen in Bambuswälder umgewandelt, wodurch natürliche Wälder gerodet und Monokulturen geschaffen werden, die die Artenvielfalt und den Lebensraum von Tieren und damit das Ökosystem zerstören. Das Potenzial von Bambus als großartiges nachhaltiges Material ist enorm, aber leider wird es aktuell in den meisten Fällen nicht richtig genutzt. Wir brauchen mehr Transparenz, wenn es um Zertifikate für nachhaltigen Bambusanbau geht und darum, wie grün der Produktionsprozess wirklich ist. Wie wir schon bei Glas und Aluminium festgestellt haben, müssen wir im Sinne der Nachhaltigkeit immer wieder entscheiden, ob wir ein neues Produkt unbedingt kaufen müssen, und wenn ja, müssen wir die Auswirkungen auf den Planeten so weit wie möglich und praktikabel berücksichtigen. Wenn wir ein Bambusprodukt kaufen, sollten wir es von Unternehmen kaufen, die ihre gesamte Lieferkette so transparent wie möglich offenlegen. Falls wir das Kleingedruckte nicht finden können, sollten wir trotzdem diese schnell wachsende Pflanze in Betracht ziehen und gegen unsere anderen Optionen abwägen. Zum Beispiel wäre es trotzdem immer besser, einen Bambuslöffel zu kaufen, der immer wieder verwendet werden kann, als einen Einweglöffel, eine Bambuszahnbürste statt einer aus Plastik, oder Textilien aus Bambusfasern statt Fast Fashion. Insgesamt könnten wir, wenn wir gemeinsam daran arbeiten, die Vorschriften zu ändern und vielleicht Europa dazu befähigen, eine ethische Bambusproduktionskette aufzubauen, dieses vielversprechende Material in einen Nachhaltigkeitsgewinn verwandeln.
Quellen: Growing bamboo in Europe. Bamboo usage and sustainability in China. Und mehr. 

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